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Tibet - Allgemeine Infos

Tibet – das Dach der Welt -  ist eine Region, die seit vielen Jahren die Menschen fasziniert. Der tibetische Kulturraum erstreckt sich über eine Gesamtfläche von über 10 Mio. Quadratkilometern, wird im Süden vom Himalaya begrenzt, im Westen vom Karakorum, in Norden vom Kunlun und im Osten von mehreren hohen Schneegebirgsketten, die durch drei der größten asiatischen Flüsse in Nordsüd Richtung durchbrochen werden. Westtibet, in dem der heilige Berg Kailash liegt, der von vielen asiatischen Völkern als der Mittelpunkt der Welt angesehen wird, ist zumeist eine aride Hochwüste. In Zentraltibet gibt es weite von großen mäandrierenden Flüssen durchzogene Täler, in denen intensive Landwirtschaft betrieben wird, die das Aufblühen der buddhistischen Hochkultur, in deren Folge Tausende von Tempeln und großen Klöster entstanden sind, erst möglich gemacht hat. Im Norden Tibets erstreckt sich die fast menschenleere, an Salzseen reiche, durchschnittlich 5000 m hohe sogenannte „nördliche Ebene“, der Changthang. Der fruchtbare, wärmere und waldreiche Süden dagegen, in dem auch viele andere nichttibetische Völkerschaften wohnen, liegt deutlich niedriger.

Im „wilden“ Osten Tibet, genannt Kham (das sich heutzutage über Teile der chinesischen Provinzen Sichuan, Yunnan und Gansu erstreckt), wechseln sich hohe Bergzüge und tiefe fruchtbare Täler ab. Hier ist die Heimat der ackerbautreibenden oder nomadisierenden Khampas, denen man nachsagt, dass sie furchtlose Krieger, aber manchmal auch begeisterte Banditen gewesen seien. Im Nordosten Tibets, in Amdo, (heutzutage die chinesische Provinz Quinghai) liegen weite fruchtbare Flusstäler, ausgedehnte Weidegründe, über die zahllose Yak- und Schafherden ziehen.

Im siebten Jahrhundert entstand unter König Songtsen Gampo das erste tibetische Großreich. Er veranlasste auch die Entwicklung einer standardisierten tibetischen Schrift und die Übersetzung vieler buddhistischer Texte, was für die Einheit der verschiedenen Völkerschaften und für eine geordnete Verwaltung unablässig war. Unter seinem Nachfolger wurde der Buddhismus zu Staatsreligion erhoben, jedoch bald wieder von der konkurrierenden einheimischen Bön-Religion abgelöst. Ab dem elften Jahrhundert setzte sich der Buddhismus tibetischer Prägung endgültig als vorherrschend durch. Dadurch wurde ein enormer künstlerischer und geisteswissenschaftlicher Aufschwung eingeleitet, immer im fruchtbaren Austausch mit den Nachbarländern. Nachdem im 17. Jh. der V. Dalai Lama (und nach ihm alle seine Nachfolger)  – mit Hilfe der Mongolen – die weltliche und religiöse  Macht übertragen bekommen hatte und auch die großen Klöster mit Tausenden von Mönchen immer mehr an Einfluss gewannen, erstarrte das System und Tibet schottete sich zunehmend vom Rest der Welt ab.

Politisch gesehen gehört das besetzte Tibet heutzutage zur Volksrepublik China. Nachdem Mao 1949 die Volksrepublik China ausgerufen hatte, überschritten die kommunistischen Truppen schon 1950 die Grenze zu Tibet und erreichten im September 1951 Lhasa. Die chinesische Regierung versprach zunächst, das alte tibetische System unangetastet zu lassen, bzw. nur sanfte Reformen durchzuführen. Da sie ihre Versprechen aber nicht einhielt, brachen Mitte der fünfziger Jahre in Osttibet die ersten blutigen Unruhen aus. 1959 gipfelte der tibetische Unmut in einem Aufstand in Lhasa, in dessen Folge der 14. Dalai Lama und Hunderttausend seiner Landsleute nach Indien flohen. Während der katastrophalen „Kulturrevolution“ wurden nicht nur in China sondern auch in Tibet die meisten Kulturdenkmäler und Klöster (an die 6000) zerstört, viele Menschen vertrieben, eingesperrt oder getötet. Erst Anfang der Achtziger kam es zu einer gewissen Liberalisierung. Die Tibeter durften wieder ihre eigene Schrift lernen und die Klöster konnten teilweise wieder aufgebaut werden. Religiöse Aktivitäten werden jedoch immer oft noch stark kontrolliert. Viele Förderprojekte wurden von Beijing aus angeschoben, aber gleichzeitig viel Militär in Tibet stationiert. Die in China unter Deng Xiau Ping ausgerufene Freie Marktwirtschaft erreichte auch Tibet. Die Nomaden und Bauern dürfen wieder große Herden halten bzw. ihre Felder in Eigenverantwortung bewirtschaften und ihre Produkte frei verkaufen. In den Städten dagegen etablieren sich viele chinesische Geschäftsleute, gegen die die Tibeter kaum konkurrieren können. Inzwischen müssen auch in vielen Schulen und für die Behandlungen im Krankenhaus (so wie es auch im restlichen China inzwischen wieder üblich ist) nicht unerhebliche Gelder gezahlt werden, was den ärmeren Leuten unmöglich ist. Der chinesisch-westliche Lebensstil mit gesichtslosen Betonbauten, billigen Industrieprodukten und primitiven Massenmedien überschwemmt das Land und droht die tibetische kulturelle Identität zu zerstören.  So sind eine gründliche schulische Ausbildung und das Bewusstmachen der eigenen wertvollen Kultur (z.B. Kunsthandwerk, Literatur und Medizin) aller Kinder in Tibet inzwischen „überlebensnotwendig“. Nur so können sie als mündige Bürger an notwendigen Reformen und an der Verbesserung des Lebensstandards mitwirken und haben die Chance, als zahlenmäßig kleines Volk neben zwei „Milliarden-Völkern“ wie die Han-Chinesen und die Inder zu bestehen.

Tibetkate
Tibet und seine Nachbarländer
Tibet um 820 (© Wikpedia)